Vegan um jeden Preis? BioThane® & Leder im Vergleich

Nachhaltigkeit

8 October/Posted by pin3sandbon3s

In aller Munde und kontrovers diskutiert, Nachhaltigkeit, Klimawandel – was darf ich noch konsumieren? Heutzutage ist es wichtiger denn je, genau hinzuschauen wo unsere Produkte herkommen und wie sie Produziert werden. In der Hunde-Community stark im Trend liegen neben alternativen Proteinquellen im Futter, vegane Lederalternativen. BioThane® ist dabei womöglich eines der beliebtesten Lederimitate auf dem Markt. Es ist günstig, vielseitig und kommt in jeder erdenklichen Farbe. Doch wo Bio drauf steht ist nicht unbedingt auch Bio drin. In diesem Beitrag wollen wir euch einen transparenten Vergleich der Materialien Leder und BioThane® aufzeigen. Vorab sei schon einmal gesagt, dass jede/r für sich selbst entscheiden muss, welches Material oder Produkt am besten in eurem Alltag passt. Denn beide haben nicht nur ganz klare Nachteile, sondern auch Vorteile.

Regelmäßig erreichen mich Anfragen, ob wir unsere Materialpalette um vegane Varianten erweitern würden, bzw. ob explizit eine Listung von BioThane® in Planung sei. Gerade in Bezug auf unser neuestes Produkt, der Schleppleine aus Rundleder, ist dies immer wieder eine berechtigte Frage, vor allem in Hinsicht auf die Haltbarkeit des Produktes. Dennoch gilt auch beim Kauf von Hundezubehör, nur weil ein Produktname den Begriff Bio beinhaltet, bedeutet dies nicht, dass auch Bio drin steckt.

BioThane®

Willkommen in Amerika, wäre da die perfekte Überleitung, denn dort wird das allseits beliebte Material mit dem irreführenden Namen BioThane® hergestellt. Was im Umkehrschluss für uns Europäer/innen bedeutet, dass es neben der Herstellung auf die ich gleich eingehen werde, einen weiten Weg hinter sich hat, bis es bei uns ankommt. Wer wie ich darauf achtet möglichst regional oder wenigstens doch Kontinental zu konsumieren, dem dürfte das schon einmal sauer aufstoßen.

Oft liest man bei Anbietern von Zubehör aus diesem Material, es sei biologisch abbaubar, ein Gemisch aus nachwachsenden Rohstoffen. Das klingt ja fast zu schön um wahr zu sein! Bei genauerer Recherche wird leider das auch bestätigt! Auf der Seite des Herstellers heißt es klar:

BioThane® is the brand name of all coated webbing products made by BioThane Coated Webbing Corp. It’s basically a polyester webbing with a TPU or PVC coating that makes it more durable, waterproof, easy to clean and weldable. [1]

Im Klartext bedeutet dies nichts anderes als, Poly, Poly, Poly. Angaben zum Herstellungsprozess oder den Inhaltsstoffen sind nicht zu finden. Bio steckt also lediglich im Produkt- und Herstellernamen. So weit so gut, aber was sind denn PVC und TPU überhaupt, fragt ihr euch vielleicht?

PVC (Polyvinylchlorid) ist ein thermoplastisches Polymer und ist eines der wichtigsten Polymere zur Herstellung von Kunststoff. Je ob hart oder weich, enthält es immer Weichmacher um das Material dauerhaft elastisch zu halten. Weichmacher werden immer an die Umwelt abgegeben, was bedeutet das selbst nachdem das Produkt vielleicht im Müll landet, die schädlichen Stoffe in unser Grundwasser gelangen.

TPU (Thermoplastisches Polyurethan) ist ein Kunstharz oder Kunststoff, das während des Verarbeitungsprozesses giftige Gase entstehen lässt.

Wenn du mehr über Weichmacher erfahren möchtest, habe ich dir hier einen Link zum Umwelt Bundesamt sowie zur Verbraucherzentrale hinterlegt, auf deren Artikel sich noch weitere interessante Links zum Thema befinden.

Kunststoffe sind also ein Endprodukt, fossilen Ursprungs, und somit nicht biologisch abbaubar. Bei der Herstellung von Kunststoffen jeder Art werden hochgiftige Gase freigesetzt, denn es sind letzten Endes chemische Prozesse und die hinterlassen je nachdem, auch evtl. giftige Nebenprodukte.
Auch Biokunststoffe bestehen nicht immer ausschließlich aus kompostierbaren Stoffen. Manche kommen zum Teil noch nicht ohne ein Polymer aus Erdöl als Bindemittel aus. Über die Zusammensetzung und das Handling von Biokunststoffen habe ich dir hier einen Link hinterlegt.

Vorteile von BioThane®
– langlebig, robust
– für Wind und Wetter geeignet
-leicht zu Reinigen
-keinerlei Pflege notwendig

Nachteile von BioThane®
-Langlebigkeit= mehrere 100 Jahre bis zur Zersetzung= Gefährdung der Tier- & Pflanzenwelt
-Mirkoplastik
-Weichmacher = Gesundheitsschädigend
-Umweltbelastung bei der Herstellung
-weiter Transportweg

Keine Frage, Schleppleinen aus BioThane® sind unschlagbar in ihrer Handhabung und Pflege. Dennoch sollte man sich bewusst darüber sein, dass durch das hinter sich her ziehen der Leine Reibung entsteht und schon so während der Nutzung Mikroplastik und Weichmacher in die Umwelt gelangen. Ganz zu schweigen von den Weichmachern die durch Hautkontakt in den Körper des Trägern gelangen. Anders als herkömmliche Schleppleinen aus bspw. Nylon, reißt BioThane® nicht so leicht, kann aber unter Umständen auch, je nach Belastung und Beschädigung, die schützende Ummantelung durch Verletzung verlieren. Dann liegen irgendwo im friedvollen Wald kleine Plastikteile Verstreut. Keine schöne Vorstellung.

Leder und wo es herkommt

Gegen jeden Irrglauben hingegen, werden bspw. Rinder nicht der Haut wegen gezüchtet, aus der dann das Leder gewonnen wird. Anders als bei Fell, ist Leder fast immer ein Nebenprodukt der Fleischindustrie. Das die Massentierhaltung eine der größten ethischen wie ökologischen Verfehlungen der Menschen ist, lässt sich wohl kaum bestreiten. Dennoch liegen, zumindest für mich, die positiven Eigenschaften des Materials Leder klar im Vorteil, wenn es denn pflanzlich gegerbt ist. Kurze Transportwege der Häute bedeutet auch, dass diese nicht stark belastend konserviert werden müssen um als Rohware heil in der Gerberei anzukommen, wie es zB. der Fall wäre wenn die Häute aus Südamerika importiert werden müssen. Die pflanzliche Gerbung von Tierhäuten ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschen. Bis zur Industrialisierung wurden Häute und Felle mithilfe von Kräutern, Wurzeln, Rinden gegerbt. Heute gibt es immer weniger Betriebe, die noch traditionell und umweltschonend gerben, aber das Bewusstsein für ökologische Alternativen wird auch in der Industrie größer.

Überwiegend verbreitet sind Gerbungsverfahren mithilfe von Schwermetallen, die wiederum auch als Abwasser die Umwelt belasten. Gerade deshalb ist es wichtig, Leder aus Europa und aus europäischen Betrieben zu kaufen, die überprüft und Eu-Richtlinien erfüllen müssen sowie traditionelle Betriebe zu unterstützen die auch vegetabil gerben.

Kauft ihr Artikel aus Leder welches aus Asien oder Südamerika stammt, und auch dort zugerichtet wird, besteht die große Wahrscheinlichkeit dass sich jene Betriebe nicht an Richtlinien und Maßnahmen zum Schutz der Natur halten. Somit bleiben wir als Konsumenten weiterhin Teil des Problem der Umweltkatastrophen in Ländern die aufgrund ihrer Ressourcen und geringen Kontrollen ausgebeutet werden.

Vorteile von Leder-Schleppleinen
-Nebenprodukt der Fleischindustrie
-biologisch abbaubar
-keine giftigen Substanzen, kein Gesundheitsrisiko, keine Belastung der Umwelt bei der Gerbung durch Chemikalien bei traditioneller, pflanzlicher Gerbung
-regional/kontinental erhältlich= kurze Transportwege
-traditionelles Handwerk wird unterstützt

Nachteile von Leder-Schleppleinen
-je nach Belastung, schwieriger zu Reinigen
-bedarf etwas Pflege
-Trockenzeit bei viel Kontakt mit Wasser
-verliert Elastizität bei mangelnder Pflege
-Reibung zerrt an der Langlebigkeit

Ich könnte jetzt noch weitere Vorteile und Eigenschaften von Leder aufzählen, aber der Fokus soll hier auf den Vergleich der Materialien in Bezug auf das Trainingstool Schleppleine liegen.

Die Schleppleine aus Leder verhält sich ähnlich wie herkömmliche Schleppleinen aus Polypropylen oder Nylon. Das Leder lässt sich allerdings nicht so schwierig reinigen wie diese und wird auch nicht so unglaublich schwer bei Nässe. Dennoch lässt sich die Elastizität miteinander vergleichen. Bei zu starker, punktueller Beanspruchung kann es passieren dass die Leine reißt, zum Beispiel wenn sie an einem scharfen Gegenstand hängen bleibt. Aber anders als bei PPP und Nylon, liegt dann nicht irgendwo ein Stück Plastikgewebe für mehrere hundert Jahre herum, sondern ein Stückchen Leder, welches wieder zu Erde wird. Ich, ganz persönlich, kann eher damit leben meine Leine irgendwann einmal ersetzen zu müssen und sie zu recyceln, als zu wissen, dass sie mich und noch viele Kommende Generationen überdauern wird, ohne ihre Form zu verändern.

Von den positiven Eigenschaften beeindruckt, fehlgeleitet vom Namen des Herstellers und irrtümlichen Angaben der Produzenten von Hundezubehör, habe ich vor Jahren selbst 2 Schleppleinen aus BioThane® für meine Hunde gekauft. Und jedes mal wenn ich sie benutze, tue ich dies mit keinem guten Gefühl. Ich, die eigentlich immer genau aufs Etikett schaut, einen großen Bogen um Kunststoffe macht, wenn es sich denn vermeiden lässt. Meine Devise jedoch ist, solang es noch zu gebrauchen ist, benutze ich es auch. Denn mit vorzeitigem Entsorgen trage ich nur zur Wegwerf-Mentalität bei und wäre Teil des Problems.

Fazit

Welches Material sich am Ende am besten für dich eignet, kommt auch immer auf das Einsatzgebiet an. Entscheidet man sich für die langlebigste, und unkomplizierteste Variante von den Möglichkeiten die es zur Zeit auf dem Markt gibt, halte ich es für wichtig, wie mit allen Dingen die wir gebrauchen, auch die Schleppleine, Leine, Halsband… zu gebrauchen, bis sie nicht mehr ihren Zweck erfüllen kann. Unsere Ressourcen sind endlich. Aber wir bestimmen mit wieviel Wertschätzung wir sie nutzen. Nicht nur weil wir unmittelbar die Umwelt durch den Herstellungsprozess von Produkten belasten, aber auch durch deren Nutzung und Entsorgung. Deutschland verkauft bspw. nach wie vor Plastikmüll ins Ausland. Dort wird er zum Teil recycelt und was nicht profitabel recycelbar ist, wieder weiterverkauft oder eben “entsorgt”. So gelangt auch unser Müll in Tropische Länder und in den Ozean [2]. Nur weil deine Schleppleine also nicht mehr wie neu aussieht, bedeutet das nicht du auch eine neue braucht. Sie ist ein Trainings-Instrument, ein Sicherheits-Tool für deinen Hund. Nicht mehr und nicht weniger.
Vegane Alternativen zu Leder sind aber dennoch ein spannendes Thema dem ich mich keineswegs verschließe. Fast jedes Jahr werden neue Lederimitate aus pflanzlichen Fasern gewonnen, oder alternative Gerbverfahren entwickelt. Für mich sind nur Alternativen aus Kunststoff eben keine Alternativen, auch wenn man diese Aussage je nach Produkt und Ökobilanz differenziert betrachten muss. Aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Veränderung fängt im kleinen an. Über vieles was im Alltag selbstverständlich ist aber vielleicht bedenklich, muss erst ein Bewusstsein entwickelt werden. Und das geschieht bei jedem in einem anderen Tempo. Niemand ist Fehlerfrei, niemand macht auf Anhieb alles perfekt. Aber ich denke mit dem Willen etwas zu verändern, können wir schon viel bewirken.

Quellen:
[1] https://www.biothane.us/faqs/biothane-faqs/
[2] https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/plastikmuell-deutscher-muell-wird-verkauft-statt-recycelt

interessante Links zum Thema Plastik und Umwelt:
WWF : Alles über Plastik in unseren Meeren und wie du Plastik im Alltag vermeiden kannst
Umweltbundesamt: Was sind Weichmacher?
Umweltbundesamt: Alles über Biokunststoffe, Zusammensetzung, Entsorgung, etc.
Verbraucherzentrale: Alles zum Thema Plastik und Gesundheit

Dieser Beitrag enthält meine persönliche Meinung und Werte für die ich und mein Label stehen. Diese da wären wie Wertschätzung und Wertschöpfung in Form von natürlichen Materialien deren Ursprung möglichst Kontrolliert ist, sowie Wertschätzung gegenüber traditionellen Handwerks und Weitergabe von Wissen.

Ein Richtig und falsch gibt es in dem Sinne nicht, letzten Endes ist es immer eine Frage der konsequenten Handlung in Bezug auf die eigenen Ideale.

Die weiterführenden Links sind Quellen, für die pinesandbones keine Haftung übernimmt.

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